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DIE Dresdner redaktion

23. Feb. 2012

Thailand: Der deutsche Fernsehkoch

Jeder Europäer kennt wohl Nasi Goreng, Sushi oder gebratene Nudeln. Doch in Thailand kann man dagegen mit europäischen Gerichten noch nicht viel anfangen. Der Deutsche Nick Reitmeier versucht das zu ändern. In seiner erfolgreichen Kochshow im thailändischen Fernsehen geben Broiler und Bratwurst den Ton an. In einem thailändischen Supermarkt drängen sich die Kunden um Nick Reitmeier. Der Deutsche ist ein Botschafter – ein Botschafter der europäischen Küche. Seine Mission:

Braten, Kartoffeln und Pasta nach Asien zu bringen.

Für Thailänder sind das exotische Gerichte mit ungewöhnlichen Zutaten. Und weil alles Europäische im Trend liegt, ist Reitmeier ein Star geworden. Seit vier Jahren hat er sogar eine eigene Fernseh-show. Der Deutsche ist mittlerweile einer der erfolgreichsten Fernsehköche des Landes.Jede Woche geht er mit einer neuen Folge auf Sendung – dabei ist er nicht einmal ein richtiger Koch, sondern Angestellter einer Supermarktkette. Reitmeier wollte mit seinem Team eine Kochshow machen, um den Kunden die Produkte näher zu bringen. Allerdings blieb der Koch weg und so musste er einspringen. Den Leuten hat es scheinbar ganz gut gefallen und aus einer Show wurden fünf und aus fünf Shows wurden 50. In dieser Zeit hat Reitmeier schon mit fast jedem gedreht, der in Thailand berühmt ist.

Eine regelrechte Lebensmittel-Revolution hat Reitmeier angezettelt. In seinen Läden gibt es Kühltruhen und Backöfen, alles hat Ordnung und System – in Thailand ein völlig neues Konzept beim Lebensmittelkauf. In edlem Ambiente verkauft er von dunklem Brot über Tiefkühlgemüse bis zu frisch gepresstem Olivenöl alles, was der Westen kulinarisch zu bieten hat. Damit hat der Chefeinkäufer eine Marktlücke entdeckt.

Wie tiefgreifend der Wandel ist, versteht man erst bei einem Bummel über die traditionellen Märkte. Noch immer gehen über 50 Prozent aller Thailänder hier einkaufen statt in den Supermarkt. Hier gibt es Spezialitäten der heimischen Küche, für die sich Europäer kaum erwärmen können – von Kröten oder Heuschrecken bis zur Plazenta von Rindern. Einige Zutaten mag auch Nick Reitmeier, etwa die sogenannten Tausendjährigen Eier – rohe Eier, die für drei Monate in Ton eingelegt wurden. Auch Reitmeier findet die traditionellen Märkte wichtig für die Versorgung der Großstadt. Denn für ihn bedeutet es frische Lebensmittel zu einem günstigen Preis. Für Fisch, Obst und Gemüse trifft das mit Sicherheit zu. Mit dem Fleisch und anderen Dingen, die bei über 40 Grad im Schatten nicht wirklich lange halten, hätte ein westlicher Magen deutliche Problem.

Und tatsächlich ist die Hygiene auf den Märkten katastrophal. Auf dem Boden liegen verwesende Kadaver und Haustiere sitzen zwischen den Lebensmitteln. Der Abfall wird oft direkt hinter den Ständen entsorgt – der Bach ist nur noch eine Kloake. Doch mit steigendem Lebensstandard wachsen auch die Ansprüche vieler Thailänder. Das ist die Chance für den Händler Reitmeier. Dafür besucht der Fernsehkoch die Firmen auch persönlich. In Deutschland hat er im Einzelhandel gelernt, ging dann nach England und Hongkong, schließlich nach Thailand.

Auch hier kauft er nur Lebensmittel, die nach internationalen Reinheitsstandards produziert werden. Den nächsten Trend hat er schon entdeckt: Tiefkühl- und Fertigessen. Im hektischen Büroalltag hätten immer weniger Menschen in Thailand Zeit zum Kochen, meint er. Kühltruhen und Mikrowellen kämen auch in Asien langsam in Mode. Mit dieser westlichen Art der Produktion hat er seinen Arbeitgeber, ein Familienunternehmen, groß und reich gemacht – der Gewinn des Konzerns hat sich in den letzten fünf Jahren mehr als verdoppelt. Auch die Zulieferer profitieren von seinem kritischen Gaumen. Rajeev Anand, Lebensmittelhersteller, erzählt uns, dass Nick Reitmeier ihnen auf sehr freundliche Weise erklärt habe, wie sie die Produkte richtig verpacken müssen und welche Informationen darauf zu schreiben sind, um sie international verkaufen zu können. Reitmeier habe sie durch seine Hilfe schnell vorangebracht, wofür sie ihm heute sehr dankbar sind.

Seit fast acht Jahren lebt Reitmeier jetzt in Asien, 128 Läden hat er mit eingerichtet, dringend sucht er motivierte Arbeitskräfte aus Europa. Den Spaß am Kochen hat er trotz der Hektik aber nicht verloren. Er lädt Freunde zum Essen ein und liebt Experimente, wie die Grillhähnchen, die er auf halbvolle Coladosen setzt, damit sie beim Backen nicht austrocknen. Überhaupt würden sich Europäer mehr Zeit fürs Kochen nehmen, sagt er. Reitmeier kocht mit Liebe. Sie kochen auch langsam, ob das jetzt ein Braten ist oder sonstiges. Selbst eine Gulaschsuppe braucht ein paar Stunden, wenn man sie richtig macht. Und das hat der Asiate so noch nicht entdeckt, meint Reitmeier. Doch dafür wird er wohl noch sorgen. Mit seiner Leidenschaft fürs Essen hat er zumindest den Thailändern schon ordentlich Appetit gemacht auf die europäische Küche.


MDR - windrose

 

 

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