Thailand - Dicke Luft in Bangkok
Circa zwölf Millionen Einwohner leben in Bangkok, fast die Hälfte davon
ist motorisiert. Das sorgt für reichlich Smog, denn Katalysatoren oder
Rußpartikelfilter sind hier noch Fremdwörter. Doch langsam kommt auch
in der Metropole Umweltbewusstsein auf. Erste Großprojekte wie neue
Zugstrecken sollen nun helfen.
Über sechs Millionen Fahrzeuge verstopfen die Straßen von Bangkok. Das
sind bereits doppelt so viele wie vor zehn Jahren und es werden immer
mehr. Die Megastadt in Thailand erstickt in Stau, Lärm und Dreck. An
vielen Tagen liegt eine dicke Smogschicht aus giftigen Abgasen über
den Hochhäusern, viele Menschen trauen sich ohne Atemschutz nicht mehr
auf die Straße. Jetzt zieht Thailands Regierung die Notbremse und investiert
in Großprojekte, die die Hauptstadt vor dem Verkehrsinfarkt retten sollen.
So entsteht im Zentrum ein Terminal für den Bangkok-Express, der die
City mit dem Flughafen verbinden soll. Gebaut wird mit deutscher Technik.
Ein Projekt in letzter Minute, finden die Berater.
Spätestens am 12. August soll die High-Tech-Strecke eröffnet werden,
dann hat die thailändische Königin Geburtstag. Auf einer der ersten
Testfahrten dürfen wir die Siemens-Ingenieure begleiten, die jetzt letzte
Probleme beheben. Der vollautomatische Zug ist ein kleines Wunderwerk
– der Fahrer nur für den Notfall dabei. Eine halbe Milliarde Euro lässt
sich die Regierung das nur 27 Kilometer lange Schienensystem kosten.
Mit einer Geschwindigkeit von bis zu 160 Kilometern pro Stunde soll
der Zug den Verkehrstau zwischen Stadt und Flughafen auf möglichst komfortable
Art beenden. Mit dabei: ein neuartiges Gepäcksystem.
Der Express fügt sich ein in weitere Großprojekte. Seit fünf Jahren
gibt es eine kurze Metrostrecke und zwei Stadtbahnlinien befördern täglich
eine Viertelmillion Fahrgäste. Das reicht noch längst nicht für die
Zwölf-Millionen-Metropole, doch die Leistung ist groß für eine Stadt,
die bis vor wenigen Jahren überhaupt keinen Schienenverkehr kannte.
Neben ihren Großprojekten müssen die Thailänder aber auch ganz naheliegende
Probleme lösen: Wohin zum Beispiel mit den Tuk-Tuks? Die kleinen Motorrikschas
sind verantwortlich für einen Großteil der Abgase. Doch sie einfach
zu verbieten, geht nicht. Noch immer verdienen zehntausende Menschen
in Bangkok ihr Geld mit den stinkenden Mini-Taxis. Diese Familie verbringt
gleich ihren ganzen Alltag am Taxistand, ein anderes Zuhause hat sie
nicht. Sie leben von den rund zehn Euro, die die Taxifahrten pro Tag
einbringen. Um die Existenz der Familien nicht zu gefährden und trotzdem
die Abgase in der Stadt zu reduzieren, gibt es ein weiteres Mammutprojekt:
Die Tuk-Tuks werden umgerüstet. Bis jetzt knatterten die meisten mit
qualmenden Zweitakt-Motoren. Jetzt werden sie zu umweltfreundlichen
Viertaktern – leiser und mit geringem Verbrauch.
Doch auch wenn die Regierung den Umweltschutz propagiert – viele Thailänder
haben andere Sorgen. Durch Armut und Unwissen werden Gewässer und Böden
in den Städten extrem verschmutzt. Abfall verbrennen die Menschen häufig
direkt an der Straße. Hier qualmen sogar giftige Asbestplatten. Ein
großer Teil der Luftverschmutzung stammt von dieser Art der Müllentsorgung.
Auch Bauern, die nach der Ernte ihre Felder abbrennen und damit Waldbrände
auslösen, verschlimmern das Problem.
Jetzt will das thailändische Tourismusministerium mit gutem Beispiel
voran gehen. Die Behörde bestellt 30.000 grüne, umweltfreundliche Tuk-Tuks.
Touristen mögen es schließlich sauber, ist das Argument, mit dem die
Thailänder für den Umweltschutz gewonnen werden sollen. Chet Taikratoke
muss davon nicht mehr überzeugt werden. Der Unternehmer besitzt mehrere
Werkstätten, in denen die neue Tuk-Tuk-Generation entstehen soll. Er
hofft auf einen großen Auftrag der Regierung für seine modernen Viertakter.
Doch Taikratoke denkt schon weiter. Obwohl es in Bangkok nicht vorgeschrieben
ist, können seine Fahrzeuge sogar mit Katalysatoren ausgestattet werden
und mit Schalldämpfern am Auspuff. Damit könnte er sogar die strengen
EU-Normen erfüllen. Und auch wenn Bangkok noch immer zu den dreckigsten
Städten der Welt gehört, zeigen die Verkehrsprojekte doch Wirkung. Obwohl
sich die Zahl der Fahrzeuge in den letzten zehn Jahren verdoppelt hat,
ist die Luftverschmutzung um 40 Prozent gesunken.