Thailand - Affenschutz auf Phuket
Tierschutz ist in Thailand noch ein Fremdwort, scheint es. Vor allem
in den Urlauberhochburgen müssen Wildtiere wie z.B. Affen oft als Touristenattraktion
herhalten. Eine Qual für die Tiere. Auf Phuket wird in einem Affenprojekt
versucht, den Tieren eine andere Zukunft zu geben.
Wenn sich Caroline Ginada um ihre Schützlinge kümmert, braucht sie viel
Feingefühl. Seit zwei Monaten pflegt die Französin als freiwillige Helferin
gefährdete Weißhand-Gibbons in Thailand. Jeder ihrer Affen bekommt eine
Sonderbehandlung: Die einen brauchen möglichst viel Abstand zu den Menschen,
sogar ihr Futter wird mit speziellen Seilzügen transportiert. Die anderen
bekommen Streicheleinheiten.
Tatsächlich lässt sich Carolines Patientin überreden. Allerdings nur
kurz. Dann merkt sie, worauf die scheinbare Wohlfühlmassage hinausläuft
– und den Puder kann sie auf den Tod nicht ausstehen. Die studierte
Zoologin weiß mittlerweile, wie sie mit diesen Affen umgehen muss, obwohl
sie eigentlich nur Urlaub in Thailand machen wollte.
Seit 1994 werden hier auf Phuket Gibbons gepflegt, die lange als Haustiere
bei Menschen lebten. Die Projektleiterin hofft, damit den Tieren ein
Stück ihrer Würde zurückgeben zu können.
Tatsächlich sind Affen in Phuket Attraktionen, die, wie bei diesem
Affentempel, viele Besucher anlocken. Doch der Preis, den die Tiere
bezahlen müssen, ist hoch. Mit schweren Ketten werden sie von ihren
Besitzern in den Käfigen gehalten. Eigentlich leben Affen in Horden,
hier werden sie einzeln in viel zu kleine Käfige gezwungen. Viele der
Tiere, die ausgestellt werden, verletzen sich durch die Ketten selbst.
Diese Verhältnisse will das thailändische Gibbonprojekt bekämpfen. In
der Pflegestation können Besucher Tiermisshandlungen anzeigen. Die Mitarbeiter
versprechen mit den Besitzern Kontakt aufzunehmen.
Mitarbeiter – das sind vor allem freiwillige Helfer, die nicht nur
umsonst arbeiten, sondern auch noch spenden müssen. Immerhin 450 Euro
kostet die Teilnahme am Projekt für drei Wochen. Natalia Caparo kommt
aus Kolumbien. Sie studiert Tiermedizin und will hier Erfahrung mit
einem Auswilderungsprojekt sammeln. Denn bis jetzt gibt es weltweit
wenige Erkenntnisse darüber, wie Affen wieder an den Dschungel gewöhnt
werden können. Das Projekt in Thailand ist einzigartig, viele Methoden
werden hier erstmals getestet. So dürfen die Affen ihr Futter nicht
mehr direkt aus Menschenhand entgegennehmen, sondern sollen selbst danach
suchen.
Die Jagd auf die Tiere ist verboten, doch kaum ein Jäger hält sich
an das Gesetz. Alle sechs Gibbonarten, die in Südostasien vorkommen,
gelten heute als gefährdet. Und die Gefangenschaft bei den Menschen
hinterlässt Spuren. Dieses Affenweibchen hat bei ihrem Besitzer eine
Hand verloren. Andere leiden an psychischen Schäden. Es sind Härtefälle,
die wohl nie wieder in freier Natur leben werden.
Das Problem: Viele Thailänder nehmen junge Affen auf und behandeln
sie wie eigene Babys. Die zunächst niedlichen Tiere leben zwischen den
Menschen und verlernen ihre natürlichen Instinkte. Doch geschlechtsreife
Affen sind ihrer Natur gemäß häufig aggressiv. Entweder werden die Tiere
dann getötet oder sie landen in viel zu engen Käfigen. Die Tierschützer
wollen die Affen langsam von den Menschen entwöhnen. Schließlich soll
einmal pro Jahr eine Affenfamilie in die Freiheit entlassen werden.
Geld vom Staat bekommt das Gibbonprojekt nicht, das wäre aber dringend
nötig.
Deshalb hoffen auch die Mitarbeiter letztlich auf Besucher und Touristen,
die mit ihren Spenden das Projekt unterstützen. Gleichzeitig wollen
die Betreiber ihre Landsleute ein wenig zum Tierschutz erziehen: Statt
eines echten Affens sollen sie lieber ein Stofftier kaufen und mit ihrem
Geld den richtigen Tieren eine Chance geben, dem Ruf der Natur zu folgen.