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DIE Dresdner redaktion

23. Feb. 2012

Thailand - Affenschutz auf Phuket

Tierschutz ist in Thailand noch ein Fremdwort, scheint es. Vor allem in den Urlauberhochburgen müssen Wildtiere wie z.B. Affen oft als Touristenattraktion herhalten. Eine Qual für die Tiere. Auf Phuket wird in einem Affenprojekt versucht, den Tieren eine andere Zukunft zu geben.

Wenn sich Caroline Ginada um ihre Schützlinge kümmert, braucht sie viel Feingefühl. Seit zwei Monaten pflegt die Französin als freiwillige Helferin gefährdete Weißhand-Gibbons in Thailand. Jeder ihrer Affen bekommt eine Sonderbehandlung: Die einen brauchen möglichst viel Abstand zu den Menschen, sogar ihr Futter wird mit speziellen Seilzügen transportiert. Die anderen bekommen Streicheleinheiten.

Tatsächlich lässt sich Carolines Patientin überreden. Allerdings nur kurz. Dann merkt sie, worauf die scheinbare Wohlfühlmassage hinausläuft – und den Puder kann sie auf den Tod nicht ausstehen. Die studierte Zoologin weiß mittlerweile, wie sie mit diesen Affen umgehen muss, obwohl sie eigentlich nur Urlaub in Thailand machen wollte.

Seit 1994 werden hier auf Phuket Gibbons gepflegt, die lange als Haustiere bei Menschen lebten. Die Projektleiterin hofft, damit den Tieren ein Stück ihrer Würde zurückgeben zu können.

Tatsächlich sind Affen in Phuket Attraktionen, die, wie bei diesem Affentempel, viele Besucher anlocken. Doch der Preis, den die Tiere bezahlen müssen, ist hoch. Mit schweren Ketten werden sie von ihren Besitzern in den Käfigen gehalten. Eigentlich leben Affen in Horden, hier werden sie einzeln in viel zu kleine Käfige gezwungen. Viele der Tiere, die ausgestellt werden, verletzen sich durch die Ketten selbst. Diese Verhältnisse will das thailändische Gibbonprojekt bekämpfen. In der Pflegestation können Besucher Tiermisshandlungen anzeigen. Die Mitarbeiter versprechen mit den Besitzern Kontakt aufzunehmen.

Mitarbeiter – das sind vor allem freiwillige Helfer, die nicht nur umsonst arbeiten, sondern auch noch spenden müssen. Immerhin 450 Euro kostet die Teilnahme am Projekt für drei Wochen. Natalia Caparo kommt aus Kolumbien. Sie studiert Tiermedizin und will hier Erfahrung mit einem Auswilderungsprojekt sammeln. Denn bis jetzt gibt es weltweit wenige Erkenntnisse darüber, wie Affen wieder an den Dschungel gewöhnt werden können. Das Projekt in Thailand ist einzigartig, viele Methoden werden hier erstmals getestet. So dürfen die Affen ihr Futter nicht mehr direkt aus Menschenhand entgegennehmen, sondern sollen selbst danach suchen.

Die Jagd auf die Tiere ist verboten, doch kaum ein Jäger hält sich an das Gesetz. Alle sechs Gibbonarten, die in Südostasien vorkommen, gelten heute als gefährdet. Und die Gefangenschaft bei den Menschen hinterlässt Spuren. Dieses Affenweibchen hat bei ihrem Besitzer eine Hand verloren. Andere leiden an psychischen Schäden. Es sind Härtefälle, die wohl nie wieder in freier Natur leben werden.

Das Problem: Viele Thailänder nehmen junge Affen auf und behandeln sie wie eigene Babys. Die zunächst niedlichen Tiere leben zwischen den Menschen und verlernen ihre natürlichen Instinkte. Doch geschlechtsreife Affen sind ihrer Natur gemäß häufig aggressiv. Entweder werden die Tiere dann getötet oder sie landen in viel zu engen Käfigen. Die Tierschützer wollen die Affen langsam von den Menschen entwöhnen. Schließlich soll einmal pro Jahr eine Affenfamilie in die Freiheit entlassen werden. Geld vom Staat bekommt das Gibbonprojekt nicht, das wäre aber dringend nötig.

Deshalb hoffen auch die Mitarbeiter letztlich auf Besucher und Touristen, die mit ihren Spenden das Projekt unterstützen. Gleichzeitig wollen die Betreiber ihre Landsleute ein wenig zum Tierschutz erziehen: Statt eines echten Affens sollen sie lieber ein Stofftier kaufen und mit ihrem Geld den richtigen Tieren eine Chance geben, dem Ruf der Natur zu folgen.

 

 

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