Sitemap | Impressum | Kontakt 

© dd-redaktion.de

Portal e.V.

EICHBERGFILM

 

DIE Dresdner redaktion

23. Feb. 2012

Neue Hilfe für Delfine

Kroatien besitzt einen außergewöhnlichen Naturschatz: die letzten Delfine der Adria. Nur eine Art lebt heute noch ständig dort, der aus dem Fernsehen bekannte "Flipper". Doch durch die steigende Touristenzahlen sinkt die Zahl der Tiere in freier Wildbahn. Bis zu 40 Prozent sind die Bestände in einigen der attraktivsten Urlaubsregionen zurückgegangen.

Drasko Holcer bereitet sich auf seinen Arbeitstag vor. Seit einem Jahr forscht der kroatische Meeresbiologe an der südlichen Adriaküste auf vorgeschobenem Posten. Sein Forschungszentrum liegt eigentlich weit entfernt im Norden der Adria. Doch hier vor der ruhigen Küste der Insel Vis hofft er darauf Delfine zu finden. Denn aus anderen Teilen der Adria ziehen sich die lärmempfindlichen Tiere zurück. Heute hat Holcer Glück. Eine kleine Gruppe Tümmler nähert sich seinem Boot. Trotzdem hält er Abstand, um sie nicht zu verjagen. Rund 300 Tiere haben Holcer und seine Kollegen schon gezählt. "Blue World" heißt das Programm, das die letzten Delfine der Adria überwachen und erforschen soll. Fast 300 Kilometer weiter nördlich liegt das Zentrum des Forschungsprojektes. Auf der Insel Losinj archivieren Wissenschaftler aus Kroatien und ganz Europa die Fotos und vergleichen sie anhand der Rückenflossen. Finanziert wird das Projekt vor allem von der Europäischen Union. Seit einigen Jahren registrieren die Forscher einen dramatischen Rückgang der Bestände. Verursacht durch Überfischung und Lärm. Die Forschungen zeigen ganz klar, dass die Population der Delfine immer kleiner wird, so Nikolina Rako, Leiterin der Forschung. Zwischen 1995 und 2003 seien die Bestände um 40 Prozent gesunken.

Dabei galt die Insel Losinj lange als Paradies für Delfin-Fans. Kleine Reiseveranstalter bieten bis heute Beobachtungs- und Tauchtouren an. Die Meeressäuger sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor geworden. Rade Duric war eigentlich Fischer. Doch weil auch die Fischbestände vor der Insel sinken, fährt er heute lieber Besucher aufs Meer hinaus. Auch wenn er weiß, dass hier in der Touristenhochburg Losinj immer weniger Tiere für die Besucher zu beobachten sind. Vor allem der Tourismus habe eine viel bessere Perspektive als die Fischerei, so der Kapitän Rade Duric. Im Sommer gäbe es kaum noch etwas zu fangen. Im Tourismus verdiene er sein Geld sicher.

Das Problem: Je mehr für die Meeressäuger geworben wird, desto mehr Touristen kommen. Und je mehr Touristen kommen, desto weniger Delfine gibt es vor Losinj. Vorschläge, die Tiere hier besser zu schützen, trafen auf heftigen Widerspruch. Eine geplante Schutzzone in der Region ist am erbitterten Widerspruch der Anwohner gescheitert, die um Einnahmen aus dem Tourismusgeschäft fürchteten, schließlich trägt es in Kroatien 15 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. In Deutschland sind es gerade mal zwei Prozent. Die Wissenschaftler wollen jetzt die Menschen besser aufklären und beginnen bei den Kindern. Dass sich Umweltschutz und Tourismus durchaus vertragen können, ist aber ein Gedanke, der sich auch im Norden Kroatiens immer mehr durchsetzt.

Neue Ideen sind dringend gefragt. Wie es gehen könnte, Tourismus und Umweltschutz zu verbinden, versucht Drasko Holcer im Süden Kroatiens zu zeigen. Der Leiter des Delfinprogramms sieht hier das Modell der Zukunft: Die Insel Vis setzt ganz auf sanften Tourismus. Gerade mal zwei Hotels und nur wenige Pensionen gibt es, Campingplätze sind verboten. Dazu kommen klare Verhaltensregeln gegenüber den Delfinen, die sich immer mehr durchsetzen. Damit die eleganten Meerestiere in Europa eine Zukunft haben, müssen die Menschen umdenken - die Anwohner der kroatischen Küsten ebenso, wie Besucher, die aus der ganzen Welt anreisen, um dieses großartige Schauspiel zu beobachten.


MDR - windrose

 

webmaster@dd-redaktion.de